Stress am Arbeitsplatz

Jeder spricht von Stress: im Beruf, auf Reisen, in der Familie, in der Freizeit. Obwohl fast alle Stress haben, leidet scheinbar niemand darunter - Stressfolgen wie Schlafstörungen, Nervosität, Rücken- und Kopfschmerzen oder allgemeine Lustlosigkeit sind etwas für Schwächlinge. Was aber kann man gegen Stress machen, wie sich vor den Folgen schützen?

Stress am Arbeitsplatz

Ursprung

Der Begriff Stress bedeutete ursprünglich "Anspannung, Verzerrung, Verbiegung" und wurde auf dem Gebiet der Materialprüfung angewendet. Der Mediziner Hans Selye übertrug 1950 den Begriff Stress in die Biologie. Er beobachtete, dass der Mensch auf Druck und Belastungen körperlich und psychisch reagiert - man spricht von einer Stressreaktion.

Vor Jahrhunderten handelte es sich hauptsächlich um körperliche Gefahren, in denen der Mensch entweder sich verteidigen oder fliehen musste. Sinnvollerweise stellt der Körper in einer solchen Situation die notwendige Energie zur Verfügung: durch Erhöhung der Herztätigkeit, der Atmung und durch Anspannung der Muskulatur. Die Aufmerksamkeit ist vollständig auf die Bedrohung gerichtet, während Körperfunktionen reduziert werden, die für die Anstrengung nicht von Nutzen sind (z.B. Verdauungstrakt, Niere und Sexualorgane). Diese früher lebenswichtige Reaktion ist heute oft hinderlich, da wir kaum noch körperlich kämpfen und somit die bereitgestellte Energie nicht umsetzen.

Gesundheitliche Auswirkungen

Tritt die Stressreaktion oft auf oder bleibt der Mensch in einem Zustand erhöhter Anspannung, kommt es zu chronischen Veränderungen. Körperliche Folgen von Stress sind daher u.a.

  • muskuläre Verspannungen, z.B. Nackenschmerzen, die auch zu Kopfschmerzen führen können
  • Herz-Kreislaufbeschwerden: z.B. Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, höheres Infarktrisiko
  • Hautveränderungen, z.B. Rötungen, Flecken, Hautschuppung
  • gesteigerte Atmung (Hyperventilation)
  • sexuelle Beschwerden (z.B. Zyklusstörungen, Impotenz)
  • neurologische Beschwerden (z.B. Migräne)
  • Magen-/ Darmbeschwerden, z.B. Verstopfung, Krämpfe, Durchfall

Psychische Folgen von Stress sind u.a.

  • Nervosität, Unruhe
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Leistungsminderung
  • Angst
  • Aggressionsbereitschaft
  • Lustlosigkeit und Erschöpfung, bis hin zu Burn-out (Gefühl des Ausgebrannt-Seins) und Depressionen

Stressoren

Auslöser der Stressreaktion sind Stressoren. Diese können ein Ereignis, eine Situation, eine Person oder ein Objekt sein. Sie werden dann als Stressor wahrgenommen, wenn sie für die/ den Einzelnen als bedrohlich oder unangenehm empfunden werden. Typische Stressoren im heutigen Arbeitsleben sind

  • Zeitdruck
  • Leistungsdruck
  • psychische oder körperliche Überforderung
  • zunehmende Kontrolle durch Vorgesetzte
  • Veränderungen am Arbeitsplatz mit Firmenzusammenschlüssen, neuen Aufgaben
  • wechselnde Vorgesetzten und Mitarbeiterkolleg-/ Innen
  • hohe Arbeitsanforderungen bei wenig Entscheidungskompetenzen
  • Existenzangst

Die psychosozialen Belastungsfaktoren werden um ein vielfaches belastender wahrgenommen als physische (z.B. Hitze, Staub, Lasten heben), da sich die Arbeitstätigkeit vom Industriesektor (körperbetonte Arbeit) stark in den Dienstleistungssektor (Bildschirmarbeitsplätze, sitzende Tätigkeit) verschoben hat. Je nach beruflicher Position, Arbeitsinhalt und Geschlecht werden die gleichen Belastungsfaktoren unterschiedlich stark wahrgenommen. Soziale Unterstützung und ein positives Arbeitsklima tragen wesentlich zu einem stressfreien Umfeld bei und somit zu weniger Beschwerden - auch bei grosser Arbeitsmenge.

Risikofaktoren

Gewisse Bewältigungsstrategien von Stress sind gleichzeitig gesundheitliche Risikofaktoren. Die Flucht in Tabak- und Alkoholkonsum, übermässig konsumierte fettreiche Nahrungsmittel kombiniert mit Bewegungsmangel können die negativen Auswirkungen von chronischem Distress verstärken. Auch unverhältnismässiges Engagement in der Freizeit (Freizeitstress) kann erneuten Stress generieren.

Bewältigungsstrategien

Geeignete Bewältigungsstrategien vermindern einerseits kurzfristig die Anspannung während einer Stressituation oder setzen andererseits langfristig an einer Veränderung der Stressursache an. Firmenspezifische Bewältigungsstrategien zielen immer auf eine befriedigende Arbeitssituation hin, sei dies im Hinblick auf eine ergonomische Einrichtung, eine optimale Arbeitsorganisation und ein dem Leistungsniveau entsprechender Arbeitsinhalt. Individuelle Stressbewältigungssmassnahmen sind Entspannungstechniken (Yoga, autogenes Training, Zen etc.), sportliche Betätigung im aeroben Bereich. Auch das Pflegen sozialer Kontakte dient dem Abbau von Stress.